Andere Bücher und meine Buchpassion

Ich werde häufiger gefragt, was ich selbst lese.

Die kurze Antwort: Alles.

Von absolutem Trash bis zu literarischen Gipfeln alles und alles dazwischen. Ich lese bis heute Comics oder Graphic Novels. Und ich habe viel mehr von Donald & Co. gelernt, als zu vermuten wäre. Doch das ist ein weites und anderes Feld.

Es gibt kaum ein Genre, was ich nicht ausprobiert habe. Das geht bei Heftromanen los: Als Jugendliche habe ich die Ärzte-Romane meiner Oma gemopst und ein paar davon gelesen. Und ich bin jedes Mal total enttäuscht gewesen, dass die Geschichte dann endete, wenn die Frau den Arzt ihrer Träume erobert hatte. Da wäre es doch erst interessant geworden!

Daher habe ich mich Romantic-Thrillern zugewandt, die in den Achtzigern eine Zeitlang angesagt waren. Da passierte zwar auch nichts, aber sie waren etwas spannender und abwechslungsreicher, denn nicht jedes Gespenst war vor seinem unirdischen Dasein Arzt.

Nach der Besprechung von Jerry Cotton in der Schule habe ich ein paar davon auf dem Flohmarkt gekauft und gelesen, bis sie mir langweilig wurden.

Das andere Ende der literarischen Skala ist mein Deutsch LK schuld. Eine Zeitlang gab es einen freundschaftlichen Wettstreit, wer das Buch mit der größten literarischen Höhe liest (also freiwillig, außerhalb des Kurses). In der Zeit habe ich meine Liebe zu Dramen und Theaterstücken entdeckt, darunter Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Bertholt Brecht. Mein Highlight ist jedoch bis heute Der Steppenwolf von Hermann Hesse.

Inzwischen fällt es mir schwer, mich auf solche Werke einzulassen. Daher habe ich den Vorsatz gefasst, jedes Jahr mindestens einen Klassiker der Weltliteratur zu lesen, damit ich das nicht verlerne.

Aber klar, das meiste liegt irgendwo dazwischen und die Genre-Schwerpunkte liegen stark auf Krimi, Phantastik und historischem Roman, im Laufe der Jahre wechselnd.

Zur Zeit (2015) habe ich eine historische Krimi-Phase.

Doch zur Sache. Welche Bücher haben mich geprägt, welche sind meine Lieblingsbücher?

  1. Fantastik: Der Herr der Ringe von John R.R. Tolkien (englisch und deutsch)
    Überrascht das jemanden? Zum ersten Mal mit 14 Jahren gelesen, einmal auf englisch.
    Das Buch hat Längen, ist stellenweise fürchterlich langweilig und die ganzen Lieder und Gedichte habe ich erst beim zweiten Mal gelesen. Aber mit diesem Buch bin ich erwachsen geworden.

  2. Historischer Roman: Der König der purpurnen Stadt von Rebecca Gablé
    Dieses Buch ist für mich perfekt. Der Schauplatz, eine der schönsten Städte der Welt: London. Ein interessante Zeit, ein interessantes Thema, ein nicht so glatter Charakter. Der historische Roman, in den ich bisher am tiefsten eingetaucht und den ich vermutlich am schnellsten gelesen habe.

  3. Weltliteratur: Der Steppenwolf von Hermann Hesse
    Zunächst habe ich es vermutlich nur weitergelesen, weil ich mir die Blöße nicht geben wollte aufzugeben. Ich habe es mit ca. 18 Jahren zum ersten Mal gelesen und im Nachhinein vermutlich nicht einmal die Hälfte verstanden. Vielleicht ist dieses Buch auch schuld, dass ich Psychologie studiert habe. An Hesses Glasperlenspiel bin ich übrigens mehrfach gescheitert.

  4. Moderne Fantastik: Ready Player One von Ernest Cline (englisch)
    Meine Meinung zu diesem Buch gibt es ausführlich bei his and her books, einem sehr schönen Literaturblog von Steffi und Kay

  5. Erotik: Salz auf unserer Haut von Benoîte Groult
    Es wurde mir mit den Worten empfohlen: „Dieses Buch solltest du nicht lesen, wenn dein Freund nicht da ist.“ Kurz: Dieses Buch ist ein Meisterwerk und alles, was Shades of Grey nicht zu sein scheint (ich habe es nicht gelesen und werde es nicht tun). Was die Arztromane nicht halten konnten, habe ich hier endlich nachholen können.

Weitere Highlights in der Fantastik:

    Weltliteratur:

    • Pu der Bär von Alan A. Milne (deutsch)
    • Der Kaukasische Kreidekreis von Bertholt Brecht
    • Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt
    • Der Schimmelreiter von Theodor Storm

    Historischer Roman:

    • Der Name der Rose von Umberto Eco

    Krimi:

    • Die Fünfte Frau von Henning Mankell
    • Die Chemie des Todes von Simon Beckett

    Tatsächlich sind Krimis häufig meine seichte Nebenbei-Lektüre (meistens lese ich 2-3 Bücher gleichzeitig) oder für den Urlaub. Von den beiden genannten abgesehen gibt es keinen, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Die meisten würde ich zwischen „okay“ und „hat nicht weh getan“ einordnen. Und seltsamerweise mag ich gerade die angesagten Bestseller in der Regel nicht. Vielleicht habe ich bei diesen zu hohe Erwartungen.

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    10. September 2016

    Mein Bekenntnis zum Buch – Beitrag zu #buchpassion 

    Neben der Frage, was ich selbst lese, ist ein Standard in Autoreninterviews: Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben? 

    Meine Standard-Antwort auf diese Frage lautet: So ein Buch gibt es nicht. Ich bin froh, wenn die Menschen überhaupt lesen und dabei ihren Verstand einschalten. 

    Wenn im Interview noch Platz ist, füge ich hinzu: Es ist nicht einmal selbstverständlich, dass jede und jeder lesen kann. Sogar in Deutschland liegt die Zahl der Analphabeten bei 10%! Noch vor 100 Jahren war es auf dem Land üblich, dass die Bauernkinder bei der Ernte halfen, statt in die Schule zu gehen. Wer also lesen kann, sollte diese Fähigkeit nutzen. Unbedingt! 

    Und dann haben wir eine zweite sehr wertvolle Sache: Keine Zensur. Wir alle dürfen lesen was wir wollen. Auch das ist nicht selbstverständlich. Es gab Zeiten, da wurden Bücher verboten und verbrannt. Daran sollten wir uns immer wieder erinnern.

    Warum also sollte ich jemandem vorschlagen oder vorschreiben, was er oder sie lesen soll? Wir können und dürfen das selbst entscheiden. Das sollten wir tun. Immer wieder. Und glücklich darüber sein. 

    Mich führt das zu einem zweiten Gedanken. Ich merke selbst, dass es mir immer schwerer fällt, ein Buch zu beginnen. Weil es dick ist und Zeit in Anspruch nimmt, gelesen zu werden. Und Zeit scheine ich immer weniger zu haben. Daher weiche ich auf Kurzgeschichten aus, Zeitung- oder Blogartikel im Internet. Ich lese, ja, täglich und viel, aber immer weniger Bücher. Das ist doof. Die Aktion #buchpassion hält mich dazu an, meinen Buchkonsum wieder zu steigern :-) 

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    Ein dritter Gedanke abseits vom Buch: Ich lese *wirklich* alles und überall. Wenn ich mit meinem Mann zum Beispiel in einer fremden Stadt unterwegs bin, liebe ich es, Info-Tafeln an historischen Gebäuden und ähnliches zu lesen. Einmal – mein Mann war von der ständigen Warterei schon leicht gereizt – lief ich zu einem schönen alten Haus, um dort ein Schild zu lesen. Als ich wiederkam, fragte mein Mann: „Und, was steht da?“ Ich: „Rechtsanwalt xy, Termine nach Vereinbarung.“