Halbvoll oder halbleer?







Mal sehen, was die aufmerksamen Leser noch alles finden werden...

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Mit diesen Worten begrüßt mich meine Lektorin am Telefon, nachdem ich die Druckfahnen abgegeben habe. Es gibt nämlich noch eine Stelle, die beim Korrektur-Lesen hakt*. Um das mal zu verdeutlichen:

Textstelle 1:

Schließlich stand er auf, nahm eine Flasche Wasser und goss sich davon in sein Glas. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Merles leeres Glas und sah sie fragend an, doch sie lehnte ab.

Textstelle 2:

Jetzt griff Jakob zu einem der Blister mit den Tabletten und zog das halbvolle Wasserglas, das Merle stehengelassen hatte, heran.“
(...)
„Das Wasserglas hatte er herangezogen, weil er trinken wollte und dann festgestellt, dass er selbst kurz zuvor ein eigenes Glas abgelehnt hatte. Eine ganz automatische Reaktion. Merle hatte im Büro auch schon Gläser oder Tassen verwechselt. So etwas kam vor.

Das liest sich wie ein Widerspruch, der eigentlich keiner ist. Das Problem ergibt sich aus der erzählten Zeit und der Erzählzeit.

In der erzählten Zeit liegen zwischen Stelle 1 und den anderen beiden ca. 14 Stunden. Zeit genug für zwei Menschen mit normalem Trinkverhalten, Wassergläser einzuschenken, abzulehnen, auszutrinken oder was-auch-immer.

Die Erzählzeit beträgt dagegen nicht einmal drei Seiten, also nur ein paar Minuten, in denen man sich von einer Textpassage zur nächsten liest. Und stutzt. So wie die aufmerksame Korrektorin.

Jetzt isst Jakob in Stelle 1 trockene Kekse. Dort ist es nämlich völlig unerheblich, dass er Wasser einschenkt, er musste nur „irgend etwas“ tun. Stelle 2 ist dagegen wichtig und es gibt weitere Passagen, die sich darauf rückbeziehen. 

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*Es ist wie mit Präsentationen: Man verfasst sie, liest sie siebenundachtzig Mal Korrektur und gibt sie zwölf anderen Menschen zum Korrektur-Lesen. Am Tag der Präsentation erscheint die erste Folie, und *bang* springt einem der neunundneunzig Mal übersehene Rechtschreibfehler entgegen. Warum sollte das mit Büchern anders sein???