Der Handlungsort - Der Ort

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Vila Brach, Enneberg Pfarre - Bildrechte: Veronica Craffonara

Wie beim letzten Projekt „So finster, so kalt“ verlasse ich an dieser Stelle die Realität und kreiere einen fiktiven Ort ungefähr dort, wo das reale Dörfchen Stern* liegt. In der Nähe dieses Ortes liegt die ebenfalls fiktive Vila Kastlunger.

Eine vila ist eine kompakte Siedlungsform bestehend aus Wohnhäusern (den ciases) und Wirtschaftsgebäuden (den majuns) von 3-12 Familienverbänden; also ein Gehöft oder Weiler. Die vila des Romans besteht aus drei bzw. vier Familien. Der Name Kastlunger, ein eingedeutschter ursprünglich ladinischer Familienname (Costa Lunga), ist sehr typisch für das Gadertal – und wie bereits erwähnt der Familienname meiner Protagonistin.

In der vila leben und arbeiten die Menschen auf engstem Raum, teilen sich Arbeitsgerät und versorgen gemeinsam das Vieh. Wie wichtig diese Gemeinschaft ist, zeigt ein altes Sprichwort: „Ohne Verwandte kann man leben, aber nicht ohne Nachbarn.“.**

Die Versorgung ist weitgehend autark. In Elisas moderner ciasa gibt fließendes Wasser, jedoch keinen Strom. Und was sogar bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts archaisch anmutet, wird im Großen Krieg wortwörtlich überlebenswichtig, da die Bewohner sich mit ihren Gemüsegärten und Nutzvieh selbst versorgen können, wo andere hungern.

Elisa nutzt diese enge Gemeinschaftsstruktur gründlich aus, um ihre Familie und die Menschen, die ihr teuer sind, durch den Krieg zu bringen. Das wird ihr eines Tages allerdings zum Verhängnis...

Bis es jedoch dazu kommt, lernt sie erst einmal neue Nachbarn kennen: Jakob Costa, der nach Italien ausgewandert ist, um sein Glück zu finden, und seine Familie. 

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*für die sprachlich ganz Interessierten: Ich habe bisher nicht herausgefunden, warum der deutsche Name des Ortes Stern lautet. Vielleicht, weil er an einer Kreuzung liegt (wobei es nur drei Richtungen gibt, keine sternförmige Anordnung der Straßen)? Auch der ladinische Name La Ila hat keine weitere Bedeutung, die italienische Bezeichnung La Villa könnte man mit etwas gutem Willen noch als Gehöft/ Ortschaft/ Siedlung oder ähnlich übersetzen (entsprechend der Bedeutung, die eine Villa im antiken römischen Sprachgebrauch hatte – womit wir wieder bei der Vila wären, zumal das ladinische keine Konsonanten-Dopplung kennt). Wer sich das wann und warum ausgedacht hat, bleibt im Dunkeln der sprachlichen Geschichte. 

** aus: Marco Forni, „Ladinische Einblicke“

Elisabetha Teresia Katarina Kastlunger, *29. November 1899

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Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (1837-1898), Kaiserin von Österreich und Apostolische Königin von Ungarn
– Portrait von Franz Xaver Winterhalter (gemeinfrei via wikimedia commons)

Zum ersten Mal beginne ich den Roman mit der Geburt der Protagonistin. Sie ist die jüngste von insgesamt fünf Geschwistern und das einzige langersehnte Mädchen, womit ein Sonderstatus in der Familie bereits vorprogrammiert ist.

Elisa ist nach den habsburger Kaiserinnen Elisabeth (Sisi) und Maria-Theresia benannt, was zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in kaisertreuen Familien durchaus üblich war (im Grunde ist es auch heute noch so, nur dass Kaiser und Könige von Schauspielern oder Fußballstars abgelöst wurden...).

Sie selbst trägt diese Namen mit der entsprechenden Würde. So stellt sie sich auf den ersten Buchseiten einem Gast der Familie und damit auch den Lesern vor:

„Mein Name ist Elisabetha. Die Kaiserin hieß genau wie ich.
Aber du darfst Elisa sagen.“