Elisas Mutter: Anna Pertinger aus Graz

Anna ist eine virtuose Apfelstrudelbäckerin - Über das "richtige" Rezept wird noch zu reden sein.

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Apfelstrudel aus einem dunklen Mürbeteig mit Vanillesoße und Pinienkernen auf der Scotoni-Hütte

Über Elisas Mutter erfahren die Leser im Buch sehr wenig. Das ist kein Zufall, sondern entspricht ihrem Naturell, im Hintergrund zu bleiben.

Anna Pertinger entstammt als drittes von vier Kindern einer aufstrebenden Arbeiterfamilie. Ihr Vater hat sich um die Jahrhundertwende als einer der ersten in den neu entstehenden Manufakturen beworben und wird schnell Vorarbeiter. Er bringt genug Geld nach Hause, und mit der klugen Wirtschaft der Mutter können beide ihren Kindern eine angemessene Schulbildung und kleine Freiheiten gewähren. Zum Beispiel dürfen die drei Töchter selbst entscheiden, wann und wen sie heiraten. So lässt Anna sich mit der Partnersuche Zeit, bleibt auch als Erwachsene in der großen Wohnung ihrer Eltern und sorgt als Näherin für ihr eigenes Auskommen.

Anna ist eine stille junge Frau, die lieber liest (und diesen Wissensdurst könnte ihre Tochter Elisa durchaus von ihr geerbt haben) oder handarbeitet (da schlägt Elisa gar nicht nach ihr), statt sich den Vergnügungen der Großstadt hinzugeben. Und so ist es vielleicht kein Wunder, dass sie sich in den zurückhaltenden ladinischen Wanderarbeiter verliebt, der ebenfalls nichts von Trubel wissen will und nicht gern unter fremden Menschen ist, sondern jeden Heller spart, um im fernen Südtirol eines Tages seinen Hof wieder aufzubauen.

Die beiden kommen sich schnell näher. Ein paar neidische Nachbarn werfen Josef bei seiner Partnerwahl Berechnung vor, weil Anna eine beträchtliche Mitgift mitbringt, mit der er schon ein Jahr später neues Vieh kaufen und sogar seinen Hof ausbauen kann, doch da ist nichts dran. Er liebt und verehrt seine Anna, die einen weit größeren Einfluss auf ihn hat, als beide sich je eingestehen würden. Und niemals hat er mehr Angst um sie als bei Elisas Geburt, die so schlecht verläuft, dass sogar ein Arzt hinzugerufen werden muss.

Anna bringt acht Kinder zur Welt, von denen drei schon als Kleinkinder sterben. Sie liebt natürlich alle, allerdings hat sie zu ihrer einzigen Tochter ein sehr besonderes Verhältnis. Und ihr heimlicher Liebling bleibt Mischi, ihr drittgeborener. Vielleicht, weil er in manchen Dingen seinem Vater am ähnlichsten ist.

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