Elisas Vater: Josef Kastlunger

Die Zeit war prüde, aber auf einer Pfeife durfte es frivol zugehen...

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es unter den Männern (und zum Leidwesen vieler zunehmend auch unter den Frauen) üblich zu rauchen. Eine solche Porzellanpfeife benutzt Josef Kastlunger (Exponat auf einer Ausstellung zum Großen Krieg im Gadertal; La Ila, September 2015)

Josef Ferdinand kommt 1855 als zweiter Sohn und sechstes von neun Kindern in Val Badia auf die Welt. Seine Eltern, Magdalena und Ojöp, stehen mit einem großen Hof wirtschaftlich gut da, so dass kein Kind, wie zu der Zeit üblich, als Knecht oder Magd in andere Täler geschickt wird. Das liegt unter anderem daran, dass Josefs Vater zu der Zeit beginnt, den Bauernhof stärker auf Milchwirtschaft umzustellen und den unergiebigen Ackerbau zunehmend vernachlässigt.

Als Josef ungefähr zehn Jahre alt ist, ereilt die Familie der erste Schicksalsschlag. In einem Winter sterben gleich drei Geschwister und seine Mutter an einer Masernepidemie. Die älteste Schwester übernimmt mit nur zwölf Jahren die Aufgaben der Mutter im Haus. Im folgenden Frühjahr brennt die halbe vila ab, der älteste Sohn und Hoferbe Anton kommt bei dem Versuch, das Vieh zu retten, ums Leben. 

Ojöp Kastlunger wagt einen ungewöhnlichen Schritt: Er verkauft einen Teil des Hofes an seinen Freund Rudolf Costa (= Vitos Großvater väterlicherseits), um Geld für eine größere majun und Vieh zu haben.

Lange Jahre geht es den Familien der vila gut. Rudolf Costa baut eine neue ciasa und hat für seine Familie ein bescheidenes aber ausreichendes Auskommen. 

Kaum hat Josef mit 26 Jahren als nun einziger Sohn den Hof übernommen, wird ihm die einst so fortschrittliche Entscheidung seines Vaters zum Verhängnis: Mehrere Viehseuchen vernichten die Lebensgrundlage der Familie. Als sein Vater 1885 stirbt, droht der Familie sogar Hungersnot.

Josef Kastlunger gibt, wie viele andere zu der Zeit, den Hof auf und zieht auf der Suche nach Arbeit in den Norden der Habsburgermonarchie bis nach Graz.
Von seinem Vater hat er das Schreinern und Tischlern gelernt. Viele Gebäudeteile in der vila sind aus Holz, es ist notwendig, sie instand zu halten und reparieren zu können. Die Anfertigung von Möbeln bringt im Winter zusätzliches Einkommen. Doch Josef hat auch eine Vorliebe für solche Arbeiten. Mit Fleiß und Geschick macht er sich einen Namen und verdient gutes Geld.
Und als er eines Sommertages auf dem Vordach eines Anwesens hockt und die Holzkonstruktion ausbessert, schaut er zufällig auf die Straße und erblickt das schönste Mädchen, das er jemals gesehen hat... 

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