Elisas Brüder Teil 2: Mischi und Rudl

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Eine original-Truhe aus dem Gadertal: Exponat im ladinischen Museum "Ciastel de Tor"; Die Anfertigung solcher Truhen waren ein wichtiger Nebenerwerb im 18. und 19. Jahrhundert; Sie wurden in den Tälern und bis nach Tirol verkauft.

Elisas dritter Bruder Michael, genannt Mischi ist in jeglicher Hinsicht ein „mittleres Kind“. Ihn trennen sechs Jahre (und damit Welten) von seinen beiden älteren Brüdern, denen er als kleiner Bub natürlich ständig hinterherläuft und drei, bzw. vier Jahre von seinen jüngeren Geschwistern Rudolf, genannt Rudl und Elisa. So fällt ihm die Rolle zu, auf seine jüngeren Geschwister aufzupassen, was er mal mit mehr, mal mit weniger Gleichmut tut.

Mischis Herz gehört drei Dingen: Den Bergen, dem Holzschnitzen und, als er älter wird, einem bestimmten Mädchen. Sein Vater nimmt ihn von Kindesbeinen an mit in die Werkstatt, wo er das Tischlern erlernt und in jeder freien Minute mit einem Schnitzmesser hantiert. Als er alt genug ist, darf er einen Winter lang zu den Meisterschnitzern ins Nachbartal Gröden in die Lehre. 

Dass sich mit seiner zweiten Liebe, den Gipfeln der Dolomiten Geld verdienen ließe, darauf bringt ihn Anton, kurz bevor der nach einem endgültigen Zerwürfnis mit dem Vater in die Welt hinauszieht: Anton ist überzeugt, dass im alpinen Tourismus eine wirtschaftliche Zukunft liegen könnte. Mischi findet Kontakt zu solchen Pionieren und lange Zeit ist sein sehnlichster Wunsch, lizensierter Bergführer zu werden. Doch da gibt es ein unüberwindbares Problem. Es ist nicht das einzige Mal, dass Mischi sich selbst im Weg steht. 

Und Rudl? Ja, Rudl läuft irgendwie so mit. So empfindet das Testleserin Prisca, als sie die ersten hundert Seiten gegenliest. Und das trifft es. Rudl spricht wenig, versucht, allem aus dem Weg zu gehen und nicht aufzufallen. Er hat panische Angst vor seinem Vater, der ihn wegen seiner Trotteligkeiten oft schlägt, bis der Knecht Albert Pacher bemerkt, dem Rudl sei kein Verstand einzuprügeln. (wobei das Schlagen von Kindern früher üblich und Josef Kastlunger nicht zimperlich ist). Einzig sein ältester Bruder Franz kommt mit ihm zurecht. 

Was genau mit Rudl los ist, weiß niemand. Aber den Müttern unter den LeserInnen fällt vielleicht Elisas extrem schwere Geburt ein. Sehr gut möglich, dass es schon bei Rudl Komplikationen gibt, die das Kind nicht unbeschadet überstanden hat.

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