Freizeitbeschäftigung: Charpie zupfen

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Aufruf im Pustertaler Boten am 11. September 1914

Nach Kriegsbeginn im Sommer 1914 gibt es einen steten Bedarf an Verbandmaterial. Die Charpie wird von den Frauen „daheim“ gezupft, gesammelt und dann z.B. vom Roten Kreuz, in Säckchen verpackt.

Mich wundert es zu Beginn, dass in den Aufrufen explizit darauf hingewiesen wird, „mit reinen Händen zu zupfen“. Wird das Material nicht sterilisiert? Das Wissen und die Möglichkeiten bestehen zu dieser Zeit bereits. Wundbrand und Entzündungen sind dennoch an der Tagesordnung.

Eine Vermutung ist, dass die Fäden verklumpen/ filzen/ ihre Saugeigenschaften verlieren. 

Ich probiere das einfach aus: zerzupfe also ein Leinentuch, koche die Garnfäden einige Minuten ab und stelle fest: Sie sind so gut wie vorher. Ich vermute daher, dass man z.B. Bauersfrauen dazu „erziehen“ will, nicht aus dem Hühnerstall direkt zur Charpie überzugehen, sondern generell auf Hygiene zu achten. 

In den hochalpinen Stellungen, in denen das Verbandmaterial knapp wird, nimmt man übrigens Wollgras.