The River

Nahe der vila fließt der Gaderbach. Wer bei „Bach“ allerdings an etwas friedlich Daherfließendes denkt, liegt schrecklich falsch – weshalb der ladinische Name „La gran ega“ = „das große Wasser“ viel treffender ist.

Im Buch werden zwei Hochzeiten gefeiert. Die erste findet 1913 statt, ist eine lustige Sache voller gutem Essen und humorvoller Bräuche. So muss der Bräutigam zusehen, dass er seine richtige Braut zum Altar führt und ihm keiner eine zahnlose Alte unterjubelt. Oder die sarades: Wegsperren aus Menschen, die kleine Aufgabe stellen und die das Paar auf dem Weg zur Kirche überwinden muss. Allenfalls das berechnete Geburtstermin des Kindes (sieben Monate – höchstens!) trübt ein wenig die Stimmung hinter den Kulissen, aber was soll’s?

Das zweite Paar heiratet im Mai 1917, mitten im Krieg. Es fehlt bereits an allem, Vorräten, Kleidung, guter Stimmung. Irgendwann kommt mir daher beim Schreiben Bruce Springsteens „The River“ in den Sinn. Dort heißt es sinngemäß übersetzt: „Wir gingen zum Standesamt und der Beamte erledigte alles. Kein Lächeln am Hochzeitstag, kein feierlicher Zug durch die Kirche, keine Blumen, Kein Hochzeitskleid.“

Eine traurige Angelegenheit – habe ich gedacht. Und dann passiert dieses wunderbar Magische, wie es die allermeisten Autoren schon einmal erlebt haben: Meine Hochzeitsgesellschaft denkt nicht daran, Trübsal zu blasen! Eine Hochzeit hat eine fröhliche Angelegenheit zu sein! Und so feiern sie diese Hochzeit ganz, ganz anders, als ich geplant habe.

Und nach der Feier endet sie am Gaderbach – ganz wie bei „The River“ – nur zum Baden ist es zu kalt.