Die Idee Europa – meine ganz persönliche Betrachtungsweise (Europa 1/4)

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Ich will Europa!

Eigentlich wollte ich auf diesen Seiten nur noch über meine Bücher und alles, was damit zusammenhängt, schreiben. Aber seit ein paar Wochen, konkreter seit meinem Urlaub am Comer See, geht mir eine solche Menge durch den Kopf, dass ich nicht weiß, wohin damit. Und deshalb muss das jetzt raus.

Ich leide. Ich leide an Europa, beziehungsweise an der Tatsache, dass die europäische Idee gerade über den Haufen geworfen wird. Und ich stelle fest, dass dies eine ganz große Menge mit „Ein Tal in Licht und Schatten“ zu tun hat. Dazu später. 

Ich muss mir das von der Seele schreiben. 

Als 2013 die ersten neuen Euro-Scheine auf den Markt kommen, sage ich zu meiner jungen Nachbarin: „Die fühlen sich wie früher Guldenscheine an, oder?“
Sie schweigt mit einem hilflosen Blick. 
Ich frage etwas ungläubig: „Du weißt doch, was Gulden sind?“ 
„Ja, doch schon. Wir haben das in der Schule in SoWi gehabt.“ 
Mir geht auf, dass meine Nachbarin zu jung ist. Vielleicht hat sie als Kind von ihren Eltern eine oder zwei Gulden-Münzen für ein Eis in die Hand gedrückt bekommen, aber Scheine kennt sie nicht. 
Meine Nachbarin ist erwachsen. Den Euro gibt es seit vierzehn Jahren.

Ich weiß, dass die EWG ursprünglich eine Wirtschaftsgemeinschaft war. Ich weiß, dass Solidarität teilweise gar nicht im Programm auftaucht.

Aber ich begreife nicht, dass von den Politikern - deren einzige Motivation heutzutage noch zu sein scheint, wiedergewählt zu werden - dass von diesen Politikern abgesehen so wenige Menschen noch von der Idee überzeugt sind. Die Vorteile nicht sehen. Die Freiheit. Reisefreiheit. Ich merke es sehr deutlich, weil wir es gerade aufgeben. Vor ein paar Jahren habe ich auf dem Weg in den Urlaub meine Handtasche vergessen. Ich bin ohne Personalausweis durch die Schweiz nach Italien gereist. Weil es ging! (Ja, die Schweiz ist im Schengener Abkommen, wenn auch nicht in der EU). Dieses Jahr haben wir bei der Einreise Italien-Schweiz 1,5 Stunden (Rückreise) gewartet. In Mailand vor dem Dom stand das achtfache Aufgebot an Polizisten und Carabinieri im Vergleich zu unserem letzten Besuch. Beim Einlass in den Dom wurden die Taschen kontrolliert. 

Mir ist klar, dass ein Teil der Maßnahmen sinnvoll ist. Als ich mit Achtzehn nach London gereist bin, war die IRA noch hochaktiv, Sperrungen von U-Bahnstationen an der Tagesordnung, Kontrollen und Wachsamkeit gehörten zum Alltag. 

Aber trotzdem. Mich macht es traurig, weil wir uns so einschränken. Weil sich die Verantwortlichen der EU nicht einmal soweit vertrauen, dass sie ihre Daten austauschen. Stattdessen ziehen sie die Grenzen hoch, zementieren die Grenzen in unseren Köpfen und leben uns vor, dass wir nicht Europäer sind, sondern Italiener, Franzosen, Deutsche, etc. Das führt soweit, dass die Briten rauswollen aus der EU. Was ich ganz persönlich dumm finde. Es ist rückwärtsgerichtet und egoistisch.

Und jetzt habe ich nur von der Reisefreiheit gesprochen. Die Freiheit Studien- oder Arbeitsplatz und Wohnort zu wählen, habe ich noch gar nicht berücksichtigt. Und so vieles andere... 

Ja, natürlich ist die Europäische Union alles andere als perfekt und sie hat noch ganz viel Verbesserungspotenzial nach oben. Aber die Europäische Idee bedeutet Freiheit. Das sich zurückziehen auf die eigene Nation bedeutet Be-Grenzung. Im Denken, im Handeln. 

So einfach ist das.