Was hat das mit diesem Buch zu tun? (Europa 4/4)

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Meine Liebeserklärung an Europa

Soviel. Alles. Ich habe das nicht gewusst, als ich das „Tal“ begonnen habe. Gut, da ist Vitos Konflikt, weil er für das Land, dessen Staatsangehörigkeit er hat (Österreich), gegen das Land, in dem er aufgewachsen ist (Italien), in den Krieg ziehen soll.

Ich habe das zwischendurch einmal weitergedacht und mir vorgestellt, ich müsste von heute auf morgen gegen die Niederlande in den Krieg ziehen. Ganz ehrlich, allein der Gedanke ist für mich vollkommen absurd – und so ging es damals (1915) vermutlich vielen Südtirolern. Vielleicht ging es den Menschen im ehemaligen Jugoslawien auch so? Was würden hier geborene Türken tun, wenn Herr Erdogan sie morgen auffordert, gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen? Oh, und mal kein Gedankenexperiment: Wie steht es eigentlichen aktuell um die Krim und den Konflikt der Russen gegen die Ukrainer?

Am Ende des Buches müssen Vito, Elisa und ihre Familien eine Entscheidung treffen. Sie entscheiden sich, ohne weiter zu spoilern, für Europa. Auch wenn sie das selbst noch gar nicht wissen. Sie leben im Kleinen aus, was ich mir im Großen wünsche. Und das ist ein Grund, weshalb dieses Buch zu einer Herzensangelegenheit geworden ist. Eine Liebeserklärung an eine Idee, die im Laufe des 20. Jahrhunderts geboren wurde, geboren werden musste.

Wo gehören wir hin? Wo fühlen wir uns zugehörig? Und wer entscheidet das?

Diese Fragen haben kein bisschen an Aktualität verloren. Und ich sehe in der Europäischen Union unsere große Chance. Indem wir eines Tages die Landesgrenzen überwinden, uns für eine regionale Zugehörigkeit entscheiden und im zweitem Schritt Europäer sind. Ich bin weder Nordrhein-Westfälin noch Deutsche. So fühle ich mich nicht. Ich bin zuerst Niederrheinerin und dann Europäerin. Das dazwischen ist zwangsläufig und mitgegeben.

Ist das ungewöhnlich? Ich glaube nicht. Landesgrenzen sind häufig willkürlich, Zugehörigkeit zu einer Region, sei es nun Südtirol, das Baskenland oder Schottland, sind in den allermeisten Fällen aus der Geschichte heraus begründet und nicht aus dem Willen der Menschen, die dort leben. Die Wiedervereinigung Deutschland war ebenso eine Helmut-Kohl-Entscheidung wie die Trennung der Tschechoslowakei eine von „zwei verbohrten alten Männern“, wobei nach meinem Kenntnisstand erstere Volkes Willen entsprach und zweitere eher nicht.

Die Europäische Union ist die große Chance, diese willkürlichen Grenzen zu überwinden, sie unwichtig und bedeutungslos zu machen. Und wenn nun diese Chance vertan wird, weil der Wille zur Veränderung fehlt, weil der Mut fehlt, die Dinge anzupacken und gemeinsam zu lösen, weil man sich stattdessen auf gestriges Nationaldenken einlässt, weil früher ja alles besser war –

dann,

ja dann muss ich weiter an utopischen europäischen Gedanken leiden.

Vielleicht ist das so. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht ganz auf.

  • Teil 1: Die Idee Europa – meine ganz persönliche Betrachtungsweise
  • Teil 2: Grenzgängerin. Leben im Zollgrenzbezirk und ohne Grenze
  • Teil 3: Die Südtirolfrage
  • Teil 4: Was hat das mit diesem Buch zu tun?