Kaffee

Wo "Wiener Schmeh" des Hauptmann Berger im Buch herkommt? Aus diesem Kaffeehaus

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In diesem Kaffeehaus wurde "Das Tal in Licht und Schatten" von Ingrid Pointecker lektoriert. Dazu erzählt sie: "Als ich vor 12 Jahren in Wien gestrandet bin, war ich Mieterin eines Studentenzimmers in der Größe einer Fahrstuhlkabine (die ich mir mit einer Mitbewohnerin teilen musste), das Eiles war um die Ecke und wurde zum Wohnzimmer, Arbeitsplatz, etc.

Dort wurde ich mit recht großem Erfolg in die grantigen Wiener Sitten und Gebräuche integriert, habe mein erstes legales Glas Schnaps getrunken, meine ersten Romane geschrieben, den Verlag geplant und eines der ersten Dates mit meiner besseren Hälfte gehabt. Irgendwie gehöre ich zum Inventar oder das Kaffeehaus zu mir. Und der Apfelstrudel ist göttlich."

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Vor hundert Jahren war Kaffee noch keine Selbstverständlichkeit. Für Elisa ist das ein kleiner Luxus, den ihre Familie sich regelmäßig gönnt. Und auch die italienischen Nachbarn mögen Kaffee, Vitos Schwester Chiara grundsätzlich mit viel Zucker – sehr viel Zucker.

Der Text wird unter anderem von Ingrid Pointecker bearbeitet. Als Wahl-Wienerin hat sie natürlich eine Menge Ahnung von Kaffee und bearbeitet das Manuskript stilgerecht in einem Kaffeehaus. Und merkt an: 

„Zum Kaffee: Wenn dieser Besuch es wert ist, gibt es echten Bohnenkaffee, kein Problem. Häufiger kam es aber vor, dass man den bei Besuchern mit Feigenkaffee gestreckt hat (je nachdem, wie lieb man den Besuch hat, ist nicht so grauslich, wie es klingt, aber man riecht es).“ 

Sie sagt dazu, dass es in Österreich teilweise noch in ihrer Kindheit üblich war, Kaffee zu strecken. Auch ich erinnere mich an „Muckefuck“ (ja, der heißt wirklich so, und man spricht das hintere „U“ auch „U“, nicht wie das englische Wort!), der bis in die 80er mit Getreide gestreckt war.

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Die zunehmende Kaffeeknappheit ist eines der Dinge, unter der Elisa im Kriegsverlauf am meisten leidet. Autoren werden häufiger gefragt, welche eigenen Erfahrungen ins Buch einfließen. Und als ausgewiesener Kaffee-Junkie kann ich da nur sagen: Kein Kaffee? Katastrophe! 

Eine typische Touristenfalle in Italien ist ja, einen Caffé zu bestellen, was heißt, dass man das bekommt, was man hier als Espresso bezeichnet (in der Regel „an der Bar“ für 1,- Euro). 

Eine längere Diskussion hatten wir allerdings einmal in Bruneck: 

Wir: „Zwei Caffé, bitte.“
Kellner: „Richtigen Caffé?“
W: „Ja, äh, wie? Espresso, das, was man in Italien unter Caffé versteht.“ 
K: „Also Espresso.“ 
Wir schweigen verwirrt, bis die gewünschten kleinen Tassen vor uns stehen und fragen nach: „Sagt ihr in Südtirol nicht Caffé?“ 
K: „Nee!“ 
W: „Espresso?“ 
K: „Auch nicht.“ 
W: „Wie denn?“ 
K: „Schwarzer!“

Egal, wie man das nun nennt. Ich liebe das. Manchmal kommen wir im Urlaub nach dem „Caffé al banco“ aus einer Bar und gehen 100 Meter weiter in die nächste und trinken noch einen. Einfach, weil es geht. 

Oder wie Lenz Koppelstätter sagt:

„Der Espresso ist für den Genuss. Ein kurzer, heißer Schluck. Dann ist alles gut. Dann kann es losgehen, die waghalsige Welt auf einen hereinbrechen.“
(aus: So frühstückt die Welt)

...und Kekse, versteht sich. Das ist das Care-Paket vom letzten Besuch am Comer See im Mai (2016)kekse.jpg